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Folgen und Reihen

1. Folgen (Sequences)

1.1. Was ist eine Folge?

Rätselfragen wie “Welche Zahl kommt als nächstes?” 3333sind oft Einführungen in das Konzept der Folgen4.

  • Umgangssprachliche Definition: Eine Folge ist eine Anordnung von Zahlen (genannt Glieder), die nach einer bestimmten Regel oder Formel gebildet wird5. Es gibt ein erstes, zweites, drittes, … Glied6.

  • Notation: . Dies beschreibt eine Folge  mit den Gliedern . Das -te Glied wird mit  bezeichnet, wobei  der Index ist9.

  • Formale Definition: Eine (reelle) Folge  ist eine Funktion 10. Jedem Index  wird eine reelle Zahl  zugeordnet11.

1.2. Folgen als Funktionen

Eine Folge ist eine spezielle Funktion12.

  • Der Definitionsbereich (Input) einer Funktion  ist oft , während der Definitionsbereich einer Folge  nur die natürlichen Zahlen  (also 1, 2, 3, …) sind13.

  • Der Graph einer Folge besteht daher nur aus einzelnen Punkten14. Diese Punkte liegen auf dem Graphen der entsprechenden reellen Funktion15. Man kann sagen, die Folge “tastet” die Funktion ab16.

Beispiele:

  1. Lineare Funktion (Bsp. g):

    • Folge:  17

    • Funktion:  18

  2. Exponentialfunktion (Bsp. f):

    • Folge:  (oder ) 191919

    • Funktion:  20

    • Dieses Beispiel ist bekannt durch die Schachbrett-Sage (Reiskörner auf einem Schachbrett), die das enorme Wachstum von Exponentialfunktionen demonstriert21212121.

1.3. Angabe von Folgen

Es gibt verschiedene Arten, eine Folge zu definieren:

1.3.1. Explizite Angabe

Man gibt eine direkte Formel für das -te Glied an: 22.

  • Beispiele:

    •  23

    •  24

    •  25

1.3.2. Rekursive Angabe

Man gibt an, wie man von einem Glied zum nächsten kommt26.

  • Dies erfordert:

    1. Einen Anfangswert (z.B. )27.

    2. Eine Rekursionsformel, die  mittels  (oder vorherigen Gliedern) ausdrückt28.

  • Der Name “rekursiv” kommt vom lateinischen “recurrere” (zurückrennen), da man z.B. für  auf  zurückgreifen muss, und so weiter, bis zum Anfang 29292929.

Beispiele für Rekursion:

  1. Fakultät (n!):

    • Rekursiv:  und  für 30.

    • Die ersten Glieder sind 31.

    • Explizit: 32.

  2. “Hopse”-Spiel:

    • Sei  die Anzahl der Möglichkeiten, in  Hüpfern ein Ziel zu erreichen33.

    • Rekursiv:  für gerades 34343434. 35.  für ungerades 36363636.

    • Explizit:  (gerade) 37,  (ungerade)38383838.

  3. Lucas-Lehmer-Test:

    • Wird verwendet, um zu testen, ob Zahlen der Form  (Mersenne-Zahlen) prim sind, wobei prim ist39393939.

    • Satz:  ist prim 40.

    • Die Folge  ist rekursiv definiert durch:  und 41.


2. Reihen (Series)

2.1. Was ist eine Reihe?

Eine Reihe entsteht, wenn man die Glieder einer Folge schrittweise aufaddiert42.

  • Beispiel:

    • Folge  43

    • Zugehörige Reihe :

      •  44

      •  45

      •  46

      •  47

2.2. Formale Definition

Sei  eine beliebige Folge4848.

  • Die zugehörige Reihe ist die Folge der Partialsummen .

  • Die -te Partialsumme ist definiert als:

    50


3. Spezielle Folgen und Reihen

3.1. Arithmetische Folgen und Reihen

  • Definition (Folge): Eine Folge heißt arithmetisch, wenn die Differenz zweier aufeinanderfolgender Glieder konstant ist515151.

    52

  • Jedes Glied ist das arithmetische Mittel seiner Nachbarn: 53535353.

  • Explizite Formel (Folge):

    54545454

  • Formel (Reihe / -te Partialsumme):

    55555555

  • Beispiel (Satz von Green-Tao): Die Folge der Primzahlen enthält beliebig lange arithmetische Teilfolgen56. Zum Beispiel (Länge 3, ): 3, 5, 757. Die längste bekannte solche Folge besteht aus 26 Primzahlen58.

3.2. Geometrische Folgen und Reihen

  • Definition (Folge): Eine Folge heißt geometrisch, wenn der Quotient zweier aufeinanderfolgender Glieder konstant ist59595959.

    60

  • Jedes Glied ist das geometrische Mittel seiner Nachbarn: 61.

  • Explizite Formel (Folge):

    62626262

  • Formel (Reihe / -te Partialsumme): (für )

    636363636363636363

  • Beispiele:

    • Witwen-Testament: Eine Witwe erhält im ersten Jahr 1 Goldstück, in jedem folgenden Jahr verdoppelt sich die Summe ()64646464. Die Gesamtsumme nach 69 Jahren wäre  Goldstücke, eine unbezahlbare Summe65.

    • Lichtdurchlässigkeit: Ein Lichtstrahl verliert beim Durchgang durch eine Glasplatte 12% seiner Stärke66. Der Quotient ist 67. Die Lichtstärke nach  Platten ist 68. (Beachte: Exponent ist , nicht , da  der Startwert ist) 69.


4. Grenzwertüberlegungen

Das Dokument schließt mit einem Ausblick auf Grenzwerte.

  • Beispiel: Ein Quadrat mit Fläche 1 wird schrittweise zur Hälfte gefüllt70.

    • Die Folge der hinzugefügten Flächen ist geometrisch:  mit  und 71.

    • Die -te Hinzufügung ist 72.

    • Die Gesamtfläche nach  Schritten ist die Partialsumme 73.

  • Erkenntnis:

    • Diese Partialsumme  ist immer kleiner als 174.

    • Wenn  jedoch immer größer wird, strebt  gegen 17575.

    • Umgangssprachlich: Addiert man unendlich viele Glieder dieser Folge auf, erhält man exakt 176767676.

    • 77

  • Dies leitet über zum Thema der Grenzwerte78.